Bergwald

Seit Menschengedenken sind wir abhängig vom Bergwald als Schutzwald.

Der Bergwald verhindert das Anreissen von Lawinen und fängt Steine und Felsbrocken in Bewegung auf. Im Wald sammeln und verdunsten die Äste der Bäume einen grossen Teil des Regens, bevor er auf den Boden fällt. Seine Wurzeln saugen das Wasser auf, so dass es nicht in die Flüsse abfliesst und diese anschwellen und über die Ufer treten lässt. Zusätzlich halten die Wurzeln den Boden zusammen und verhindern, dass er sich in Bewegung setzt. Damit ist der Bergwald der wirkungsvollste Überschwemmungsschutz überhaupt.

Der Bergwald ist wie eine Lebensversicherung für die Bewohner und Besucher der Alpentäler. Durch die Hochwasserregulierung wirkt er aber auch weit bis ins Mitteland und in die wirtschaftlichen Zentren. Rund 50 Prozent des Schweizer Waldes hat gemäss dem Bundesamt für Umwelt Schutzwirkung vor Naturgefahren. Demnach sind rund 130 000 Gebäude und mehrere 1000 Kilometer Strassen und Schiene geschützt.

Der Bergwald und die von ihm durchsetzte alpine Kulturlandschaft bietet den Menschen einen Freizeitort und damit Ruhe, Erholung und Entspannung.

Der Bergwald ist Lebensraum für eine grosse Zahl und Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Mitteleuropa ist er eine der letzten grünen Inseln und Rückzugsort für viele seltene und bedrohte Arten.

Der Bergwald spielt als Holzlieferant eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Holz ist ein laufend nachwachsender, klimaneutraler Rohstoff für Balken und Bretter im Bauwesen, für die Möbelherstellung, für die Zellstoffindustrie und als Energielieferant. Die Wertschöpfung aus dem Holz ergibt einheimische Arbeitsplätze.

Der Bergwald sorgt für gute Luft, speichert Kohlenstoff und ist damit gut für das Klima.

Der Bergwald ist Teil der alpinen Kulturlandschaft, die durch die hier lebenden Menschen geprägt wurde und im Verlauf der Jahrhunderte und Jahrtausende verschiedene ökologische Lebensräume mit hoher Biodiversität hervorgebracht hat. Bergwald, Alpen, landwirtschaftliche Flächen und Naturräume sind verzahnt und in ständiger Wechselwirkung.

Der Bergwald im Schweizer Berggebiet wächst stetig. Dies durch die strukturelle Abnahme der landwirtschaftlichen Tätigkeit. Diese Waldflächen sind aber oft instabil und einförmig. Weltweit ist der Wald jedoch höchst gefährdet und nimmt in atemberaubendem Tempo ab mit einer erschreckenden Folge auf die Artenvielfalt.

Der Bergwald spürt den steigenden Einfluss des Klimawandels. Dieser erfolgt derzeit in einer Geschwindigkeit, auf die ein Waldgefüge kaum rechtzeitig reagieren kann. Denn es funktioniert in Zyklen, die mehrere Menschengenerationen andauern. Trockenheit, Hitzewellen und extreme Wettereignisse können zum Beispiel Borkenkäferkalamitäten zur Folge haben und setzten dem Bergwald zusätzlich zum Schadstoffeintrag und zur hohen Belastung durch Wildtiere stark zu. Winterstürme erreichen Rekordwerte und entwurzeln oder brechen regelmässig Bäume auf grossen Waldflächen.

Um den Bergwald herum verändern die zunehmende Verbuschung und das Einwachsen von Alpen, Wiesen und Weiden im Berggebiet die alpine Kulturlandschaft. Wenig Licht für oft seltene Pflanzen und Tiere sowie eine gleichförmige Landschaft ergeben sich daraus. Die Verminderung der ökologischen Vielfalt und der Artenschwund gehen einher mit einem Verlust an schönen, ursprünglichen Wäldern und Landschaften.

Der Bergwald muss gepflegt werden, um seine vielfältigen Leistungen zu erhalten. Trotz steigender Ansprüche der Gesellschaft an den Bergwald – besonders an die Schutzwirkung – können die Bergwälder nicht kostendeckend bewirtschaftet werden. Allein schon die Zugänglichkeit ist wegen der Steilheit und der wenigen Strassen und Wege erschwert und aufwändig. Durch die Entfremdung von der Natur in der modernen Welt und den immer geringeren Bezug zu den natürlichen Ressourcen im Alltag geht das Verständnis für die Notwendigkeit zur Pflege des Schutzwaldes und der Kulturlandschaft immer mehr verloren.

Die Freiwilligen des Bergwaldprojekts füllen durch ihre Arbeit eine wichtige Lücke bei der Pflege des Waldes und der Kulturlandschaft in den Bergen. Damit leisten sie einen persönlichen, aktiven Beitrag zur Erhaltung der vielfältigen Wirkungen – insbesondere zum Schutz vor Naturgefahren – des Bergwaldes für die Menschen.

 

Geschichte eines Waldes in drei Bildern

Schutzwald Curaglia vor 1990
Sturmfläche nach “Vivian” 1990
Nach Aufforstung durch das Bergwaldprojekt

Newsletter bestellen